15 Jahre Wikipedia

  • Wikipedia ist nun 15 Jahre alt geworden und für die meisten von uns die erste Anlaufstelle, wenn wir einen Begriff nicht kennen. Die Online-Enzyklopädie hat die meisten gedruckten Lexika ersetzt, ist viel umfassender und aktueller. Eigentlich ein richtig gutes Machwerk... wenn da nicht die dunkle Seite von Wikipedia wäre. Netzwerke im Hintergrund, die versuchen, das öffentliche Wissen politisch korrekt hin zu biegen. Lehrer sagen nicht ohne Grund, daß Wikipedia keine gute Quelle für Hausaufgaben ist und man tunlichst weitere Quellen hinzu ziehen sollte. Ich habe selber schon Stellen in Wikipedia gefunden, die nicht korrekt sind. Wie z.B. die Brenntemperatur von Kerosin (auf Youtube gibt es entsprechende Clips, die die wirkliche Brenntemperatur aufzeigen) oder die Informationen über meinen ehemaligen Divisionskommandeur. Hier eine Diskussion über die dunklen Machenschaften von Wikipedia https://www.youtube.com/watch?v=4X-3-AwqkLQ sowie die in der Diskussion angesprochene Dokumentation des Biolehrers aus Oldenburg https://www.youtube.com/watch?v=wHfiCX_YdgA .

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  • die Fortsetzung der Dokumentation über die dunkle Seite von Wikipedia kommt 18.02.2017 in einige wenige Kinos (Babylon Berlin, Cinewood Waldkraiburg sowie im Gemeindehaus Varel-Obenstrohe) . Hier ist der Trailer zum Film https://www.youtube.com/watch?v=-PIALlSC2uM zu finden.

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  • Ich benutze Wikipedia auch hauptsächlich in den wissenschaftlichen Sparten. Hin und wieder suche ich auch mal nach Episodenlisten einer Serie oder die Diskografie einer Band oder eines Musikers.


    Ich wusste nicht, dass es unter Linken so eine Spaltung gibt zwischen Pro und Contra Nato. Ich fand auch die Geschichte hinter der Seite Psiram sehr interessant. Ich kannte die Seite nicht, aber ich verfolge auf Facebook den "goldenen Aluhut". Ich bin selbst Kritiker aller Pseudowissenschaften und mich stört vor allem die Abzocke ahnungsloser Menschen, die viele ihrer Anhänger betreiben. Meine persönliche Abneigung demgegenüber hat sich seit dem Tod meiner Mutter dieses Jahr noch verstärkt. Ich finde es gut, wenn Betrüger entlarvt werden, wenn Homöopathie nicht mehr an Universitäten gelehrt und von Krankenkassen bezahlt wird. Bei den Online Zeitungsartikeln über angeblich rechtsradikale Personen, die der goldene Aluhut auch manchmal verlinkt, ist mir allerdings immer etwas mulmig zumute. Die Pegidarede 2015 von Akif Pirincci ist für mich das Paradebeispiel dafür, wie so ziemlich alle namhaften Zeitungen ein Zitat völlig aus ihrem Kontext reißen können, sodass es plötzlich vermuten ließ, der Autor wünsche sich KZs für die Juden- und Ausländervernichtung. Ob jemand rechts, rechtsradikal, rechtsextrem oder Neonazi oder whatever ist, das ist nicht so eindeutig nachzuweisen wie die nicht über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung von Zuckerkügelchen. Vor allem nicht anhand von einem einzigen Zitat oder Treffen mit einer Person aus rechten Kreisen.

  • Ich finde nach wie vor, dass die Idee der Wikipedia eine sehr gute Sache ist und ich möchte mal vielen Videos hier, die über Zensur und Meinungsmache reden etwas erwidern.


    Leider ist es für mich nicht verwunderlich, dass auch dort (oder, wenn man deinen Berichten glaubt auch besonders dort) der Kampf um die Deutungshoheit läuft. Es klingt sehr krass, aber wir befinden uns mitten in einem Informationskrieg mit ganz verschiedenen Seiten und Absichten. Ich bin wirklich gespannt, wie die Historiker in einigen Jahren mal über diese Zeit schreiben werden.


    Für mich als Privatperson ist es schon enorm schwer, da den Überblick zu behalten und sich vor allem nicht für eine Seite instrumentalisieren zu lassen. Täglich wird man von allen Seiten mit umwerfenden Erkenntnissen konfrontiert, die so einfach und leicht nachvollziehbar sind. Die Welt wird als herrlich einfach verkauft, aber das ist sie leider nicht. Gerade das erlebe ich aber in meinem Umfeld auch in alle Richtungen immer wieder und man sieht es auch an der aktuellen politischen Diskussion um Rassissmus. Es macht mich regelrecht wütend, wie eine Seite gegen die andere wettert und jede versucht, die anderen von sich zu überzeugen. Notfalls eben auch mit Gewalt. Hinzu kommen auf jeder Seite auch immer Leute, die Ausschreitungen einfach "geil" finden und einfach mal so mitmachen unter dem Deckmantel, etwas Gutes zu tun. Kommt mir so vor wie bei Hooligans im Fußballstadion. Sowas ist in unserer Informationsgesellschaft sehr gefährlich. Aber ich schweife ab, tut mir leid...


    Eigentlich geht es ja hier um die Wikipedia. Das Problem ist nur, dass alles in unserer Informationsgesellschaft miteinander zusammenhängt und Wissen ist wohl Macht. Oder vielleicht auch (Halb-)Wissen nutzen, um Massen zu mobilisieren. Dinge gut verkaufen, sodass Menschen der Meinung glauben. Das spiegelt sich eben auch in der Wikipedia wieder, wo mehrere Seiten Batian Berichten nach um Deutungshoheit ringen.

    Es macht mich traurig, dass so eine gute Idee mit einem Schlachtfeld verglichen wird. Informationen allen zugänglich zu machen ist ein starkes Instrument. Neutralität zu wahren ist schwer bis unmöglich bei solch einem Projekt. In evidenzbasierten, wissenschaftlichen Themen mag das leichter fallen, aber die Geisteswissenschaften oder ethischen Themen hatten es seit jeher schwer. Das hatte Nyashia auch schon angedeutet, dass die da eher die wissenschaftlichen Dinge nachschlägt.


    Bei sozialen und politischen Themen ist es wesentlich komplizierter. Besonders, wenn man keinen eigenen "Kompass" hat, der hilft, die Informationen "einzunorden". Manchmal mag aber auch trotz des eigenen Kompasses etwas nicht so recht passen und das ist dann der Punkt, der zum Nachdenken anregt. Das Gefühl drängt sich auf, dass es damals viel einfacher war. Was in den Enzyklopädien oder im Duden/Wahrig stand, war klar definiert. Da entschied ein Gremium aus Experten drüber und so wurde es dann gedruckt. Als Konsument musste man sich da keine Gedanken machen.

    Hinterher wurde auch wieder diskutiert und in der neuen Ausgabe eventuell dann Dinge angepasst.

    Heute kann jeder mitreden und seine Meinung zu einem Thema kundtun. Auch auf anderen Seiten kann heute jeder seine Meinung verbreiten, das sogar erstaunlich professionell.
    Einerseits ein Segen, andererseits ein Fluch in der heutigen Zeit. Kein Wunder, dass sich da Instanzen herausbilden, die eben auch Filtern müssen/können/sollen/wollen. Sei es bei der Wikipedia, sei es die Filterblasen in Facebook... das liegt einfach in der Natur der Sache.

    Aber macht das Diskutieren gerade eine Demokratie eben nicht auch aus? Dass man immer wieder ringt, um Meinungen? Das Problem ist, dass viele in unserer Gesellschaft es verlernt haben, sich demokratisch zu streiten. Und zwar so, dass der andere nicht vorweg diskreditiert wird. Viele möchten sich in Ermangelung an tiefgreifendem Faktenwissen auch nicht auf Diskussionen einlassen, bzw. betreiben das dann höchstens auf Stammtischniveau. Es gibt jedoch einfach Themen, von denen habe ich keine Ahnung und nicht die Zeit/Muse mich zu allen Dingen zu informieren. Wer hat denn die Zeit, heute die Meinungen in Videos, Wikipedia, Facebook und Co. selbst zu recherchieren? Ich denke die wenigsten und ich nehme mich da nicht aus. Gibt es sowas wie "Informationsträgheit"? Das ist mir bewusst, aber es ist auch eine große Gefahr. Man neigt dann dazu, den "schnellen" Weg zu nehmen. "Ah, da gibt's ja Informationen schön zusammengefasst. Die werden schon stimmen." oder "Oh, der Youtuber da klingt ansprechend und hat bestimmt gut recherchiert. Dem glaub ich das mal so."

    Da ist es natürlich herrlich bequem sich etwas anzuschauen, was anderen vorgefertigt haben. Nur da liegt das Problem. Stichtwort: Filterblase.


    Oh weh... das Ganze ist jetzt schon wieder viel länger geworden, als ich eigentlich wollte.

    Was ich eigentlich sagen möchte ist: Unsere Gesellschaft ist extrem verworren und es gibt leider keinen einfachen Weg. Auch wenn es da draußen ganz viele gibt, die die "Wahrheit(tm)" für sich beanspruchen und alles ganz leicht aussehen lassen. Das war aber schon immer so, nur die Machart und die Informationsdichte- und fülle ändern sich.


    Daher finde ich es persönlich wichtig, Informationen soweit möglich aus verschiedenen Quellen zu besorgen. Selbst wenn es, z. B. heißt "Ja das ist die öffentlich-rechtlichen. Die lügen eh" oder "Das sind doch einfach Influencer oder Youtuber, denen kann man nicht glauben, die sind keine Experten". Ich habe angefangen, alles als Darstellungen zu betrachten, was sie auch sind. Da hilft mir natürlich auch meine Ausbildung, diese Haltung gegenüber Medien zu entwickeln. Die Welt ist sehr komplex und es gibt viele Sichtweisen. Wichtig ist, dass man es sich nicht zu leicht macht. Neues sollte man mit eigenen Erfahrungen abgleichen, sich mit anderen Austauschen (eventuell eben auch mit Betroffenen) und vor allem: selbst mitdenken und offen bleiben. Hier finde ich es schön, dass bei der Wikipedia auch Quellen genannt werden. Da kann ich mir dann die Mühe machen, das auch nachzulesen und komme eventuell dann zu anderen Schlüssen. Oder ich finde meine Meinung bestätigt, zumindest bis ich wieder etwas anderes finde, was das Nachdenken anregt. Der ewige Kreis der Hermeneutik. Das könnt ihr gerne auf der Wikipedia nachschlagen :lionwink.


    In diesem Sinne: Möge es noch lange bei uns die Möglichkeit, diese Diskussionskultur auch zu leben :lionhappy

    Denn auch das ist nicht selbstverständlich.

  • Wikipedia war mal eine klasse Idee, die leider mißbraucht wurde und inzwischen "verbrannt" ist (siehe u.a. die Geschichten aus Wikihausen https://www.youtube.com/channe…h6Wcc_2mkBJ5sy3SqA/videos) .


    Zu Duden, Brockhaus und anderen Nachschlagewerken: bis ein Buch geschrieben, gedruckt und verkauft wurde, verging eine gewisse Zeitspanne. Man konnte nicht tagesaktuell auf Ereignisse reagieren, wie es heute mit digitalen Medien möglich ist. Wie hieß es noch bei der Bundeswehr, erst mal eine Nacht über das Ereignis schlafen, bevor man eine Beschwerde bei seinem nächsten Vorgesetzten einreichen konnte. Bücher sind auch dauerhafter als digitale Nachschlagewerke und können nicht dem aktuellen Zeitgeist nachgeführt werden, wie es bei den digitalen Medien möglich ist. Früher mußte man die Bücher aus den Bibliotheken entfernen und entsorgen. Heute reicht einfach ein digitaler Filter, um das Geschriebene zu unterdrücken oder zu überschreiben. Für mich kann ich nur sagen, es ist von enormen Vorteil, wenn man gedruckte Nachschlagewerke aus unterschiedlichen Jahrzehnten zur Verfügung hat. Als Junge habe ich den Brockhaus von 1921, den mein Patenonkel besaß, sehr geschätzt und mit unserem Lexikon aus den 1960er Jahren verglichen.


    Ja, wir befinden uns mitten in einem Krieg um die Wahrheit und die Wahrheit sirbt in einem Krieg stets als erstes. https://www.aphorismen.de/zitat/84767 . Dazu noch ein Zitat von Winston Churchill

    Im Kriege ist die Wahrheit so kostbar, daß sie immer von einer Leibwache von Lügen umgeben sein sollte.

    - https://gutezitate.com/zitat/184420


    "Da ist es natürlich herrlich bequem sich etwas anzuschauen, was anderen vorgefertigt haben. Nur da liegt das Problem. Stichtwort: Filterblase. " hier möchte ich gerne auf die Sendung der Anstalt bezüglich der Medienvielfalt in Deutschland verweisen und wie erstaunt Du über die doch eigentlich vorherrschende Einfalt warst (5 Medienkonzerne geben rund 90% der deutschen Medien heraus) . Im Sommer 2015 hat die schweizer NZZ schon geschrieben, daß sie in Deutschland die Meinungsvielfalt vermißt, was mich dazu veranlaßt hat, die deutschen mit ausländischen Medien zu vergleichen. Ich habe mir zu meiner Schulzeit nicht vorstellen können, mich wie im Krieg beim Feind informieren zu müssen, was eigentlich im eigenen Land passiert. Aber ich schweife ab.


    "Hier finde ich es schön, dass bei der Wikipedia auch Quellen genannt werden. Da kann ich mir dann die Mühe machen, das auch nachzulesen und komme eventuell dann zu anderen Schlüssen. " Es wird in "die dunklle Seite der Wikipedia" sehr schön gezeigt, was für Quellen bei Wikipedia zugelassen werden.


    "Da kann ich mir dann die Mühe machen, das auch nachzulesen und komme eventuell dann zu anderen Schlüssen. Oder ich finde meine Meinung bestätigt, zumindest bis ich wieder etwas anderes finde, was das Nachdenken anregt." Hier fehlt bei den meisten von uns die Zeit und die Lust, tiefer einzusteigen. Deswegen stoße ich wieder mal deses Thema an, um aufzuzeigen, wie wichtig es heute geworden ist, zu hinterfragen und nicht alles zu glauben, was uns da vorgesetzt wird.

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  • zu meinem Link vom 06.06.2020 wird hier vom Videohersteller in den ersten 2,5 Minuten erklärt, warum das Video so schnell wieder weg war https://www.youtube.com/watch?v=N5HI3Bquby8 . Die Gedanken kann sich nun jeder selber machen und überprüfen, ob Wikipedia zum Schlachtfeld geworden ist.

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  • zu meinem Link vom 06.06.2020 wird hier vom Videohersteller in den ersten 2,5 Minuten erklärt, warum das Video so schnell wieder weg war https://www.youtube.com/watch?v=N5HI3Bquby8 . Die Gedanken kann sich nun jeder selber machen und überprüfen, ob Wikipedia zum Schlachtfeld geworden ist.


    Aha... ich bin mir nicht sicher, ob ich das so richtig verstanden habe. Der Ersteller wurde von einem dieser "Sichter" oder "Administratoren" von Wikipedia angeschrieben und hat sich darüber beschwert, dass sein Name deutlich zu erkennen war und er explizit erwähnt wurde? Und daraufhin hat besagter Youtuber sein Video editiert, die Passagen rausgeschnitten und es neu hochgeladen? Oder habe ich das falsch verstanden?


    Generell ist mir zur Thematik noch etwas eingefallen: Ich finde es wirklich positiv, dass man bei der Wikipedia nachsehen kann, wie der Beitragsverlauf ist. Ich rechte das der Seite hoch an, denn das ist nicht selbstverständlich und eben doch ein wichtiger Schritt hin zur Transparenz. Dass manche Dinge eben nicht so laufen, wie manche sich das wünschen, verwundert mich nicht. Meinungen können ja wirklich unterschiedlich sein und ich empfinde es in der heutigen Zeit als besonders schwer, Meinungen und sachlich fundierte Inhalte zu unterscheiden. Außerdem sagt der Youtuber ja selbst, dass es die Möglichkeit gibt, Beschwerde einzulegen und ab und an habe man Erfolg. Also wenn ich Meinungen diktieren würde, dann würde ich das gewiss nicht so handhaben :lionwink

    Das spricht in meinen Augen auf jeden Fall für die Plattform.


    Aber mal eine Gegenfrage: Es wird so oft gesagt, dass das Meinungsmache sei, unliebsame Beiträge editiert werden würden, etc. Aber was ist denn die Alternative? Jetzt mal rein vom Inhalt abgesehen, geht es mir um ein Gedankenexperiment. Ich habe in der Warrior Cats-Community die Erfahrung gemacht, als ganz zu Beginn die Fan-Wiki eröffnet wurde. Da kamen viele tolle Beiträge, aber auch viel Mist dabei raus, der munter reingestellt wurde. Mancher Spoiler wurde gepostet und von dem Mix an deutschen und Englischen Namen mal ganz zu schweigen... Die Community hat es dann eben auch so gemacht, dass Moderatoren eingesetzt wurden, um die Dinge zu lenken. Genau das wird aber ja immer wieder kritisiert, von wegen Meinungsfreiheit, Zensur, etc. Aber nun meine Frage: Wie könnte denn eine akzeptable Lösung aussehen, um die Meinungsfreiheit zu wahren? Wie könnte man mehr Transparenz schaffen und sichergehen, dass eben nicht aus Unwissen oder übler Absicht heraus falsche Dinge geschrieben werden? Für das Gedankenexperiment unterstelle ich jetzt einfach mal, dass es ein "richtig" und ein "falsch" gibt. Dass das in der realen Welt da draußen durch den Konstruktivismus nicht mehr so einfach ist, weiß ich. Aber der Einfachkeit halber: Was wären da eure Vorschläge?



    PS: Wegen deines anderen Beitrags, Batian: Du hattest nämlich Recht, mit dieser Diskission hier hatten deine vielen Links recht wenig zu tun. Ich sichte mal alles in Ruhe und melde mich dann. Ist leider gerade etwas schwer, da ich nebenher noch arbeite und gerade ziemlich im Stress bin.... Also seht es mir bitte nach, wenn ich nicht sofort reagieren kann. Danke!

  • Zu deiner Gegenfrage, Kirauni, habe ich eine ganz klare Antwort: Moderatoren (Sichter) und Administratoren müssen möglichst neutral handeln und das tun sie in den hier besprochenen Fällen nicht! Sie müssen unterscheiden können, ob ein Text wirklich "Schrott" oder "Mist" ist oder eben nicht. Wenn etwas nicht eindeutig interpretiert werden kann und es deshalb zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann, warum nicht im Artikel beide Seiten erwähnen? Moderatoren (Sichter) könnten dazu mit den Schreibern etwas näher in Kontakt stehen und konkrete Verbesserungsvorschläge bringen.

    Quote from Kirauni

    Aber macht das Diskutieren gerade eine Demokratie eben nicht auch aus? Dass man immer wieder ringt, um Meinungen? Das Problem ist, dass viele in unserer Gesellschaft es verlernt haben, sich demokratisch zu streiten.

    Das setzt voraus, dass die verschiedenen Parteien gleiche Rechte/Mittel zur Meinungsäußerung haben. Sichter haben aber mehr Rechte als der normale Schreiber und sind in den Beispielen hier meist nur von der einen Partei.

  • Man kann das Beispiel mit dem Buch auch von der anderen Seite betrachten: Heute liegt die Deutungshoheit nicht mehr bei einer kleinen Gruppe mit genug finanziellen Mitteln, um die Information über Bücher zu verbreiten. In der aktuellen Zeit ist es viel einfacher Behauptungen und augenscheinliche Sachverhalte zu überprüfen, zu bestätigen oder ggf. zu widerlegen. Dafür bedarf es keinen Zugriff zu immensen, externen Ressourcen mehr. Jetzt ist es fast immer Zeit und persönliche Motivation als ausschlaggebende Faktor, um an diesen Prozessen teilzuhaben bzw. sie durchzuführen. Der stark vereinfachte Zugriff auf ein vielfaches Mehr and Informationen sorgt dafür, das Falschinformationen viel schwieriger zu etablieren sind. Zweifellos ist dabei die Komplexität sprunghaft (wenn nicht exponentiell) angestiegen. Unter diesem Blickwinkel, kann man allerdings durchaus von einer Verbesserung sprechen.



    Das Video von Batian verstehe ich aber auch nicht so ganz. Für mich ergibt sich da keine klare Botschaft. Ich finde es gut, dass die Namen da rausgeschnitten worden und der Autor so schnell reagiert hat. Menschen, die das da unentgeldlich machen sind nicht zwingend Personen des öffentlichen Interesses bzw. stehen automatisch in der Öffentlichkeit.


    Darüber hinaus ist das Video stark polarisiert, was vielleicht einer der Gründe ist, warum ich mich mit der Aussage schwer fasse. Zum Beispiel bei dem Teil über GAVI, ist eine Aussage, dass ein Video auf den Wikipediaartikel aufmerksam gemacht hat und der daraufhin geändert wurde. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass das Manipulation ist, um die Wahrheit zu verbergen. Die Alternativerklärung, dass durch die Aufmerksamkeit ein Falschinformation oder irreführender Abschnitt in der Wikipedia bemerkt und korrigiert wurde, wird nicht erwähnt oder erklärt, warum die erste Erklärung korrekt ist. Der Begriff der Ideologie wird viel verwendet, ohne sich damit auseinander zu setzen, dass die Definition auch auf die eigene Sichtweise anwendbar ist. Auf beiden Seiten steht eine Ideologie, aber dieser wichtige Punkt wird nicht aufgelöst oder auch nur angesprochen.


    Betrachtet man die besagte Änderung zu GAVI, die auch im Video kurz angezeigt werden, sieht man, dass der entfernte Absatz irreführend ist. Die Kernaussage (GAVI ist Gründungsmitglied von ID2020) ist genau ein Satz und auch weiterhin im Artikel enthalten. Alles darüber hinaus gehört auf die Artikelseite von ID2020 und war zudem aufgrund der Verknappung nicht korrekt. Die entfernten Quellen sind ausserdem als Referenzen nur schwer bzw. gar nicht tragbar. Der erste Link, der im Video nicht erwähnt wird, führt auf eine Seite mit einem Meinungsartikel (?), in dem versucht wird mit vagen Definitionen und grossen Schlagwörtern und Bibelzitaten ein Zusammenhang zu erzeugen, ohne greifbare Belege anzuführen. Der zweite, im Video erwähnte Link, führt auf einen Blogpost, den ich ebenso im besten Fall als Meinung/Kolumne einordnen kann. Dadurch ergibt sich aber keine verwertbare Aussage, zumindest nicht in der Art und Weise, wie sie in Batians Video herausgestellt wird. In welchen Kreisen führt das zur Befürchtung? Bei meinen 3 Arbeitskollegen? Bei den zwei Personen vor mir an der Supermarktkasse? Das sind alles Kreise die Meinungen haben können. Und welcher Quelle entstammt die im Konjunktiv gestellte Behauptung über die Nutzniesser des Projekts? Es kann ja durchaus sein, dass das so ist, aber ohne konkrete Fakten, ist der Artikel nicht überprüfbar und verlierst seinen Nutzen als Referenz für Wikipedia. Was in dem von Batian verlinkten Video auch zu kurz kommt, ist der letzte Abschnitt dieses zweiten Links, der den Artikel technisch ein bisschen besser einordnet, wobei die dortige Quelle nochmal viel umfangreicher und nuancierte mögliche Kritikpunkte an ID2020 beschreibt. Und zu guter Letzt, hat der Autor des Artikels da die gleichen Ziele wie ID2020, mag nur eine andere Technologie lieber (vereinfacht ausgedrückt).


    Deshalb ist mir auch die Kritik in dem Video nicht klar, dass sich der Artikle jetzt völlig neutral und nichtssagend ließt. Ist das also nicht gut und das Gegenteil soll erreicht werden?



    Ich bitte um Entschuldigung für den langen Text, aber ich wollte gern meine Irritation verdeutlichen. Die Grundannahme ist doch, das Wikipedia keine belastbare Quelle ist. Das letzte Mal das ich in meinem Kreis davon gehört habe, dass das akzeptiert wurde, war in einer Arbeit der 10. Klasse (und dann mit Versionsnummer). Alles darüber verlangt bessere bzw. Primärquellen. Selbst in den Naturwissenschaften, ist das maximal ein Ausgangspunkt, um für die Quellenrecherche eine Idee zu bekommen. Für gesellschaftswissenschaftliche und soziale Themen gestaltet sich das naturgemäß aber deshalb nicht unerwartet viel komplizierter. Und sobald Geld dahinter steht, findet Verzerrung statt, wobei man das gleiche sagen kann, sobald auch nur ein Mensch an der Sache beteiligt ist. Ich möchte aber der Idee widersprechen, das Wikipedia in der Quellenbewertung neutral sein muss. Sie sollten objektiv sein. Wikipedia hat den Anspruch ein Lexikon zu sein. Normalerweise enthält das Fakten (nach bestem Wissen und Gewissen, klar) und sonst nichts. Wenn etwas uneindeutig ist, dann kann man einen Hinweis, auf andauernde Diskussionen einbinden und gut. Es ergibt sich für mich nicht, warum ein Lexikon eine Diskussionsplattform bieten soll.

  • Gut hingeschaut, Raku! Die Quellen waren wirklich Mist. Lustigerweise wurde mir von Youtube heute ein Video vorgeschlagen, das sich mit "meiner Schwingungserhöhung" beschäftigt. Ich lerne gerade für die Klausur in Schwingungstechnik und google schon mal was darüber. Da hat sich YT gedacht, hey, da du kürzlich auch ein anderes Video von diesem Kanal angeschaut hast und dich für Schwingungen interessierst, guck mal hier: https://www.youtube.com/watch?v=ofRNXh-CR0s&t=113s

    Wenn man sich die Titel und Beschreibungen der anderen Videos dieses Herrn ansieht, merkt man, aus welchem Kreis er kommt. Das würde auch die Voreingenommenheit beim Thema GAVI erklären. :S

  • Zu deiner Gegenfrage, Kirauni, habe ich eine ganz klare Antwort: Moderatoren (Sichter) und Administratoren müssen möglichst neutral handeln und das tun sie in den hier besprochenen Fällen nicht! Sie müssen unterscheiden können, ob ein Text wirklich "Schrott" oder "Mist" ist oder eben nicht. Wenn etwas nicht eindeutig interpretiert werden kann und es deshalb zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann, warum nicht im Artikel beide Seiten erwähnen? Moderatoren (Sichter) könnten dazu mit den Schreibern etwas näher in Kontakt stehen und konkrete Verbesserungsvorschläge bringen.

    Das setzt voraus, dass die verschiedenen Parteien gleiche Rechte/Mittel zur Meinungsäußerung haben. Sichter haben aber mehr Rechte als der normale Schreiber und sind in den Beispielen hier meist nur von der einen Partei.


    Danke für deine Ausführungen, Nyashia! Auf diese war ich auch gespannt, da du ja damals das "offizielle" Warriorcatsforum bzw. deren Wiki auch in den Anfagszügen mitbekommen hast. Da sind wir auf jeden Fall der gleichen Meinung, dass man möglichst neutral und transparent handeln sollte.


    Danke auch für deine Ausführungen, Raku und für die Mühe, die du dir beim Nachverfolgen der Quellen gemacht hast. Genau solch eine Diskussion habe ich mir hier gewünscht, denn das ist "Medienkritik" und eben nicht nur an einem Medium :lionhappy. Und ich finde, die hat heute eine sehr große Relevanz. Wobei es ja streng genommen nicht "die Medien" gibt, aber ich schweife schon wieder ab...


    Ich versuche es mal kurz zu halten, denn ich bin leider noch mitten im Prüfungsstress (dieses Mal auf der anderen Seite :lionwink).

    Ich kann deine Irritation nachvollziehen, Raku und dein letzter Absatz bestätigt ja auch das, was hier schon oft gesagt wurde: Wikipedia ist für einen ersten Überblick ganz gut, aber alles darüber hinaus verlangt weitere Recherche ("Sekundärliteratur") und eigene Initiative.

    Auch das hast du in deinem Beitrag im ersten Absatz sehr schön zusammengefasst und du sprichst mir da aus der Seele: Zeit und persönliche Motivation sind maßgebliche Faktoren und früher lag die Deutungshoheit tatsächlich oft bei einer kleinen Gruppe. Und wo wir gerade bei "Gruppen" sind... dazu habe ich kürzlich einen interessanten Beitrag gesehen. Spannend finde ich die These, dass es eben nicht mehr "die (traditionelle) Öffentlichkeit" gibt, sondern viele verschiedene Öffentlichkeiten.


    https://www.bpb.de/mediathek/2…te-alle-aneinander-vorbei


    Und klar, dass es dann bei Plattformen wie der Wikipedia zu Differenzen kommt, wenn jede Gruppe ihre Meinung darstellen möchte. Daher finde ich es wichtig, dass eben so transparent wie möglich gearbeitet wird, damit man eben die Artikelhistorie vergleichen kann und sieht, was wann wo durch wen geändert wurde. Für mich ist das ein sehr wichtiger Aspekt und ich versuche auch meinen Schülern eben Medienkompetenz zu vermitteln, damit sie Dinge nicht einfach nur konsumieren. Ich weiß noch, dass ich damals in Klasse 10 ebenfalls mal das Thema "Medien" hatte und da einige Dinge aufgedeckt wurden, aber mit der Komplexität und dem massiven Angebot an unterschiedlichen Medien kann man das nicht vergleichen. Daher sind Multiperspektivität und Medienkompetenz für mich wichtige Themen im Unterricht und ich ersuche das so gewissenhaft und unpolitisch wie möglich zu machen, was natürlich in der heutigen Zeit eine besondere Herausforderung ist. Umso schöner, wenn dann der eine oder andere eben mal mit Logik an die Sache herangeht und Dinge hinterfragt.

    Ich glaube, wir müssen wirklich mal ein Thema zur "Medienkritik" öffnen, denn auch darüber, was das eigentlich ist und was eben auch nicht gibt es ja auch wieder Klärungsbedarf. Ich überlege mir mal etwas Entsprechendes, falls ihr Interesse habt :lionhappy


    Nyashia: Diese Sache mit den Schwingungen zeigt auch prima, welche Rolle Algorithmen spielen, bei dem was du siehst. Da hatte ich kürzlich auch eine interessante Erkenntnis/Diskussion.

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